Institutionen-Mapping und Bibliographie zu
Staatsversagen und Good Governance
Institutional Mapping and Bibliography
on State Failure and Good Governance
2. Überblick
2.1.
Ursachenforschung zu Staatsversagen und Staatsverfall
2.2.
Bi- und Multilaterale Institutionen im Bereich Staatsversagen
und Staatsverfall
2.3.
Institutionen im Policy- / Policy-beratenden Bereich
2.4.
Institutionen der Transformations- und Entwicklungsforschung
2.5.
Übersicht: Empirische Länder- und Regionalstudien
Nachfolgend sollen nur die politisch und akademisch bedeutsamsten
Projekte der vorliegenden Teilstudie hervorgehoben und eingeordnet
werden, um den Zugang zur Fülle der internationalen Befassung mit
dem Themenfeld zu erleichtern. Überschneidungen gibt es insbesondere
bei den qualitativen Ansätzen zur Ursachenforschung und den empirischen
Länder- und Regionalstudien, wo sich einige der Projekte mehrfach
zuordnen ließen. Davon wird hier aber abgesehen. Die Gliederung
orientiert sich dabei an den Interessensschwerpunkten der nachfolgenden
Teilstudien.
2.1.
Ursachenforschung zu Staatsversagen und Staatszerfall
Ursachenforschung zu Staatsversagen
Ursachenforschung zu Staatsverfall
| Qualitative Ansätze |
Quantitative Ansätze |
| Deutschland |
|
Staatsbildung
und Staatszerfall in den Regionen der Dritten Welt/ Mikropolitik
bewaffneter Gruppen (Klaus Schlichte), Deutsches Übersee-Institut
(DÜI), Hamburg. / Humboldt-Universität,
Berlin.
Staatsverfall und Weltordnungspolitik
(Tobias Debiel/Dieter Reinhardt), Institut für Entwicklung
und Frieden (INEF), Duisburg.
Staatsverfall als friedens- und entwicklungspolitische
Herausforderung (Conrad Schetter/Ulf Terlinden/Tobias Debiel),
INEF/ZEF.
|
|
| International |
|
Program
on Intrastate Conflict and Conflict Resolution (Robert Rotberg),
Belfer Center for Science and International Affairs (BCSIA)
/ World Peace Foundation (WPF).
|
State Failure
Task Force (Ted R. Gurr), Center for International Development
and Conflict Management (CIDCM), University of Maryland.
Country Indicators for Foreign Policy
(David Carment), Norman Paterson School of International Affairs,
Carleton University, Ottawa.
|

Deutlich erkennbar ist, dass in der Bundesrepublik die wichtigsten
Projekte zur Ursachenforschung zu Staatsversagen und Staatsverfall
qualitativ arbeiten, während die internationale (hier vor allem
US-amerikanische) Forschung stark durch quantitative Ansätze geprägt
ist. Letztere versuchen mit ökonometrischen Methoden auf der Makroebene
zu erklären, unter welchen Bedingungen es v.a. zu Staatsverfall
kommt. Dazu erfaßte die “State Failure Task Force” (SFTF) die Fälle
von Staatsverfall aus mehr als vier Dekaden und entwickelte daraus
entsprechende Indikatorensätze für verschiedene „Modellfälle“. Die
aus einer Anfang der 90er Jahre entwickelten geopolitischen Datenbank
des kanadischen Außenministeriums hervorgegangenen “Country Indicators
for Foreign Policy” umfassen heute mehr als einhundert Leistungsindikatoren
von 196 Ländern über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren. Ähnlich
wie bei der SFTF werden Regressionsanalysen anhand von Daten über
interne bewaffnete Konflikte, Regierungssysteme, politische Stabilität,
Militarisierung, ethnische und religiöse Diversität, Bevölkerungsdruck,
Wirtschaftsleistung, menschliche Entwicklung, etc. unternommen.
Die qualitative Forschung bemüht sich primär, die Phänomene Staatsversagen
und Staatsverfall mit einer längerfristigen, einordnenden Perspektive
zu verstehen. Die Vorgehensweise ist stärker prozessorientiert
und setzt auch auf der Mikro- und Mesoebene an, ohne dabei übergreifende
Entwicklungen, etwa den Einfluss der Globalisierung (INEF, LSE),
zu vernachlässigen. Sie erfasst gesellschaftliche Entwicklungen
in ihrer Komplexität und versucht diese in ihren spezifischen Kontext
eingebettet nachzuvollziehen, etwa durch die Entwicklung des „Neopatrimonialismus“-Konzeptes
(Erdmann), die Untersuchung sozialer Mobilisierungsprozesse (Schlichte)
oder eine spezifische Institutionenanalyse (ZEF, BCSIA). Im Gegensatz
zur quantitativen Forschung, die sich oft auf die Identifikation
von Indikatorenhäufungen beschränkt und daher wenig Aussagekraft
bezüglich kausaler Verkettungen hat, erlaubt das qualitative Herangehen
somit auch einen direkten analytischen Zugriff. Die entwicklungsgeschichtliche
Betrachtung stützt sich zudem häufig auf empirisch starke Fallstudien
(inklusive Feldforschung vor Ort), wobei regional beschränkte Empirie
z.T. die Gefahr eines regionalen Bias in der Analyse birgt.
2.2.
Bi- und Multilaterale Institutionen im Bereich Staatsversagen und
Staatsverfall
| Bilaterale Institutionen |
Multilaterale Institutionen |
| Staatsversagen |
|
Millennium
Challenge Account (MCA), U.S. State Department, Washington.
|
Network
on Good Governance (GOVNET), Development Assistance Committee
(DAC), OECD, Paris.
Governance & Anti-Corruption (“Governance
Matters”/Kaufmann), World Bank Institute (WBI), Washington.
Promoting and Monitoring Good Governance,
Development Policy and Management Programme, Economic Commission
for Africa (UNECA), Addis Abeba.
African Peer Review Mechanism (APRM),
New Partnership for Africa's Development (NEPAD), Midrand/Johannesburg.
|
| Staatsverfall |
|
Countries
at Risk of Instability Project, British Prime Minster's Strategy
Unit.
Stability Fund, Niederlande.
|
“Difficult
partnerships”, Development Assistance Committee (DAC), OECD,
Paris.
Low Income Countries under Stress (LICUS),
World Bank, Washington.
Conflict Prevention and Reconstruction
Unit (CPRU), World Bank, Washington.
Conflict Prevention and Post-Conflict
Reconstruction Network (CPR), United Nations Development Programme
(UNDP).
UNDP Oslo Governance Centre.
|

Die hier erfassten bi- und multilateralen Institutionen unterhalten
recht unterschiedliche Aktivitäten im Bereich Staatsversagen und
Staatsverfall. Sie reichen von der Entwicklung einer angepassten
Außen- und Entwicklungspolitik (UK Strategy Unit), über Austauschnetzwerke
(GOVNET, CPR), spezialisierte Forschung (CPRU, Oslo Governance Centre),
gemeinsame Konzeptionalisierungen im internationalen Rahmen (DAC,
Weltbank, UNDP) bis hin zu bi- und multilateralen Monitoring- und
Anreizsystemen (MCA, APRM, UNECA). Während alle angesprochenen Maßnahmen
eine Policy-Komponente haben, verfügt nur ein Teil über eigene Ressourcen
zur unmittelbaren Implementierung. In dieser Hinsicht sticht v.a.
der MCA mit 5 Mrd. US-Dollar (bis 2006) heraus. Dagegen nimmt sich
der LICUS Trust Fund mit seinen 25 Mio. US-Dollar relativ bescheiden
aus. Im Vergleich ist der niederländische Stabilitätsfond mit jährlich
60-100 Mio. USD zwar nicht schlecht ausgestattet, zugleich aber
thematisch auch umfassender definiert. Der APRM ist immerhin längerfristig
als Orientierungshilfe für die Verteilung bi- und multilateraler
EZ (insbesondere durch die G8-Staaten im Rahmen des NePAD-Prozesses)
angedacht, es ist jedoch noch nicht absehbar, wie und in welchem
Umfang dies genau erfolgen soll.
Insbesondere bei den auf prekäre Staatlichkeit bezogenen Ansätzen
fällt auf, dass diese in der Regel eine Verschränkung – wenn nicht
gar Integration – von entwicklungs- und außenpolitischen Instrumenten
befürworten. Dabei dominiert das Interesse an Strategien, mit denen
ein Abgleiten in Richtung Staatszerfall verhindert werden kann.
Diese schwierige Aufgabe wird seit dem 11. September durchgängig
mit erhöhter Priorität versehen, nicht zuletzt, um die Bildung von
Rückzugsgebieten für Terrornetzwerke in fragilen oder kollabierten
Staaten zu verhindern.
Folgerichtig betonen die „Difficult partnerships”-Debatte im DAC
und die LICUS-Initiative der Weltbank Möglichkeiten, um in entsprechenden
Ländern trotz des Mangels an geeigneten staatlichen Partnern engagiert
bleiben zu können. Anerkannt wird die Notwendigkeit differenzierter
Strategien, die dem spezifischen Charakter politischer Regime, ihren
wirtschaftlichen Grundlagen und Entwicklungsgeschichten Rechnung
tragen. Vor diesem Hintergrund werden verbesserte und koordinierte
Situationsanalysen als notwendig erachtet, die über herkömmliche
Bestandsaufnahmen hinaus auch bestehende Interessenlagen der Akteure
berücksichtigen (wichtig: Mangelt es an Kapazität oder politischem
Willen?) und nicht-staatliche Akteure sowie lokale Verwaltungsstrukturen
als mögliche Partner einbeziehen. Die Debatte um „difficult partnerships“
hebt in diesem Zusammenhang besonders die Herausbildung und Unterstützung
so genannter „Change Agents“ innerhalb der betroffenen Gesellschaften
hervor.

In der gesamten Diskussion um demokratische Regierungssysteme vertritt
UNDP einen relativ umfassenden Governance-Begriff, der in Bezug
zu den Zielvorgaben Armutsbekämpfung und Entwicklungsförderung gestellt
wird. Bei der Debatte um Staatsversagen und Staatsverfall legt die
Organisation einen Schwerpunkt auf Governance in Nachkriegsgesellschaften,
wobei die gesellschaftliche Dimension von Staatsbildungsprozessen
wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhält, als dies bei DAC und Weltbank
der Fall ist. Hervorzuheben ist das Oslo Governance Centre, das
UNDP Länderbüros mit Expertise unterstützt. In Kooperation mit dem
Chr. Michelsen Institute führte das Zentrum einen bedeutenden Workshop
speziell zur Debatte um Governance in Nachkriegsgesellschaften durch.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Ansätzen in der ersten
und zweiten Zeile der Tabelle liegt in ihren impliziten Sichtweisen
auf Konditionalisierung. Während dafür unter Bedingungen von Staatsversagen
tendenziell Spielräume gesehen werden, geht es mit zunehmendem Staatsverfall
darum, überhaupt noch in einem Land engagiert zu bleiben. Im ersten
Fall steht das Bemühen im Vordergrund, Anreize zur Förderung von
Governance entlang definierter Benchmarks zu geben. Im zweiten Fall
werden die Anliegen bescheidener formuliert. Wo immer möglich soll
in Richtung Stabilisierung gewirkt werden, indem entry points genutzt
werden, angepasste Strategien entwickelt und auch nicht-staatliche
Partner gesucht werden sowie die Grundbedürfnisbefriedigung aufrecht
erhalten werden soll.
Diesen Unterschieden entsprechend sind etwa MCA und APRM primär
auf die „better/good performers“ ausgerichtet, während LICUS und
die angesprochene DAC Diskussion sich auf die schwereren Problemfälle
konzentrieren.
Hervorzuheben ist, dass nur UNECA und APRM als prominentere Aktivitäten
aus den von Staatsversagen und Staatsverfall betroffenen Regionen
selbst identifiziert werden konnten.
2.3.
Institutionen im Policy- / Policy-beratenden Bereic
| Deutschland |
|
Entwicklung
und failing states (Judith Vorrath), Stiftung Entwicklung
und Frieden (SEF), Bonn.
Deutsches Institut für Entwicklungspolitik
(DIE) (Stephan Klingebiel, Katja Roehder), Bonn.
States at Risk - Fragile Staaten als
Sicherheits- und Entwicklungsproblem (Ulrich Schneckener),
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin.
|
| International |
|
Democracy
and Rule of Law Project (Thomas Carothers), Carnegie Endowment
for International Peace, Washington.
Making States Work: State Failure
and the Crisis of Governance (Ramesh Thakur, Michael Ignatieff),
United Nations University, Tokyo / Carr Center for Human Rights
Policy at Harvard University / International Peace Academy.
Progressive Responses to 'State Failure'
/ Africa and Governance - policy priorities for the G8 (David
Mepham), Institute for Public Policy Research (IPPR) etc.
Research Project and Commission on
Weak States and National Security (Jeremy Weinstein; Stuart
E. Eizenstat/John Edward Porter), Center for Global Development
(CDG), Washington.
|
h

Alle hier genannten Aktivitäten kombinieren in unterschiedlichem
Ausmaß Forschungsprojekte, öffentliche Veranstaltungen und Versuche,
die jeweilige Regierungspolitik zu beraten oder zu beeinflussen.
Keine der Institutionen grenzt sich dabei klar von einem der Teilbereiche
Staatsversagen oder Staatsverfall ab, diese werden eher gebündelt
als Herausforderungen der Politik behandelt.
Die wohl prominenteste und einflussreichste unter den genannten
Initiativen ist die vom Center for Global Development unterhaltene
„Commission on Weak States and National Security“. Ihr gehörten
zahlreiche ehemalige Diplomaten, Regierungsangestellte und –berater
sowie Politiker an. Die Kommission erkannte Staatsverfall als Bedrohung
auch für die amerikanische Sicherheitspolitik an, forderte eine
Aufwertung der Thematik innerhalb der US-Administration und empfiehlt
eine gezielte Kombination verschiedener entwicklungs- und außenpolitischer
Instrumente. Die Möglichkeiten zur Einflussnahme auf lokale Eliten
durch Druck und Anreize schätzt die Kommission größer ein, als dies
innerhalb der LICUS- und difficult partnerships-Debatten der Fall
ist. Bislang ist noch nicht absehbar, ob und wie sich die Ergebnisse
der Kommission in der zukünftigen US-Regierungspolitik widerspiegeln
werden.
Unter den anderen policy-beratenden Institutionen im internationalen
Bereich ist IPPR als aktuell relativ bedeutend hervorzuheben. Inhaltlich
sind die Aktivitäten des Institutes relativ breit angelegt, umfassen
sie doch das Spektrum von Governance-Förderung im G8-Rahmen (d.h.
primär NePAD, also die „good performers“) bis hin zum Umgang mit
„failed states“ wie dem Irak. Die strategische Ausrichtung und eine
Reihe günstiger Umstände führt dazu, dass die Aktivitäten von IPPR
hohe Debattenrelevanz erhalten könnten: Erstens hat die Organisation
u.a. anhand des Falles Irak die Notwendigkeit einer transatlantischen
Verständigung über den Umgang mit Staatsversagen und Staatsverfall
herausgestellt, zweitens beabsichtigt IPPR, den bevorstehenden,
parallelen Vorsitz Großbritanniens in der EU und bei den G8 sowie
die darauf bereits hinarbeitende „Commission for Africa“ Tony Blairs
politisch zu begleiten, und drittens verfolgt IPPR diese Strategie
in Kooperation mit Partnern wie Saferworld und der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Relative Prominenz hat auch das kollaborative Projekt “Making States
Work” der United Nations University, des Carr Center for Human Rights
Policy (Harvard University) und der International Peace Academy
erreicht, das auch von der Bundesregierung unterstützt wird. Aufbauend
auf dem Bericht der International Commission on Intervention and
State Sovereignty konzentriert sich das Projekt auf Möglichkeiten
der konstruktiven Intervention unter Bedingungen von Staatsversagen
und Staatsverfall, wobei bestehenden Machtkonstellationen und speziell
den Einflussmöglichkeiten der US-Außenpolitik besondere Beachtung
zukommt.
Eine weitere interessante Kooperation, gerade mit Blick auf die
erwähnte Notwendigkeit einer transatlantischen Verständigung über
den Umgang mit Staatsversagen und Staatsverfall, besteht zwischen
dem Carnegie Endowment for International Peace und der Stiftung
Wissenschaft und Politik. Finanziert durch den German Marshall Fund
wurde Anfang 2004 eine gemeinsame Konferenz in Washington durchgeführt,
die auf Seiten der SWP an ein eigenes Projekt zu „States at Risk“
anknüpft. Letzteres entwarf vor allem auf der Grundlage kurzer Fallstudien
von „Grenzfällen fragiler Staatlichkeit“ ein Analyseraster für Faktoren,
die für die Erosion von Staatlichkeit verantwortlich sein können,
sowie für potentielle Interventionsmaßnahmen von außen. Stärker
als die anderen genannten Institutionen beziehen SEF und DIE explizit
entwicklungspolitische Ansätze zum Umgang mit Staatsversagen und
Staatsverfall ein. Dabei rückt die SEF v.a. die Suche nach praktikablen
multilateralenHandlungsansätzen für die Stabilisierung und
Entwicklung von failing states sowie für die Prävention von Staatszerfall
ins Zentrum, während das DIE entwicklungspolitische Handlungsfelder
und speziell Partnerschaftsstrukturen der EZ im Kontext erodierender
Staatlichkeit thematisiert.

2.4.
Institutionen der Transformations- und Entwicklungsforschung
| Transformations-, Demokratisierungs- und Entwicklungsforschung |
Entwicklungs- und Governance- Forschung |
| Deutschland |
|
Arbeitskreis
Systemwechsel (Aurel Croissant, Petra Bendel, Friedbert W.
Rüb), Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW).
Wissenschaftszentrum (WZB) (Wolfgang
Merkel), Berlin.
Transformation: Den Wandel gestalten
(Werner Weidenfeld, Josef Janning), Bertelsmann Stiftung,
Gütersloh.
Demokratisierung und der innergesellschaftliche
Friede (Lothar Brock, Bruno Schoch), Hessische Stiftung Friedens-
und Konfliktforschung (HSFK), Frankfurt.
|
Erfolgreiches
und gescheitertes Nation-Building in der Dritten Welt (Jochen
Hippler), Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), Duisburg.
Illegitime Gewaltmonopole und legitime
„Gewaltoligopole“ - Aspekte struktureller Instabilität (Andreas
Mehler), Institut für Afrika-Kunde (IAK), Hamburg.
Research Group “Governance and Conflict”
(Conrad Schetter u.a.), Zentrum für Entwicklungsforschung
(ZEF), Bonn.
|
| International |
|
Center
for Democracy, Development and the Rule of Law (Larry Diamond,
Stephen Krasner), Stanford Institute for International Studies
(SIIS).
Democracy, Governance and Human Rights
Program (Thandika Mkandawire), United Nations Research Institute
for Social Development (UNRISD).
|
World
Governance Assessment (Julius Court, Goran Hyden, Kenneth
Mease).
Governance in War-Torn Societies (Charles
T. Call), Watson Institute, Providence.
|

Die hier unter den Oberbegriffen Transformations- und Entwicklungsforschung
zusammengefassten Forschungsarbeiten können recht grundsätzlich
nach ihren Ausgangspunkten unterschieden werden. Transformations-,
Demokratisierungs- und Konsolidierungsforschung setzen unter Bedingungen
teilweise konsolidierter oder zumindest fragiler Staatlichkeit an.
Eng damit verbunden ist der Blickwinkel dieser Forschungsstränge:
Das Interesse richtet sich auf solche Staaten, die sich in einem
dynamischen Reformprozess befinden. Die Kernfragestellung lautet,
was die Erfolgsbedingungen von Transformationsprozessen sind, und
wie diese hergestellt werden können.
Die Erkenntnisinteressen der Entwicklungs- und Governance-Forschung
sind dagegen weniger durch normative Ausgangspositionen eingeschränkt.
Es geht zunächst einmal um ein Verständnis davon, wie Governance
in den jeweiligen Gesellschaften tatsächlich funktioniert. Die Forschung
umfasst im Prinzip Länder aller Ausprägungen von Staatlichkeit (die
Positionierung der Entwicklungsforschung führt jedoch in der Praxis
dazu, dass die OECD-Welt weitgehend vernachlässigt wird), wobei
dieses Merkmal nur eine von mehreren relevanten Dimensionen des
zumeist breiter gefassten Governance-Konzeptes anspricht: Über das
politische System hinaus werden informelle Autoritäten und nicht-staatliche
Akteure bewertungsoffen einbezogen, die Funktionsweise von gesellschaftlichen
Institutionen untersucht, Legitimitätszuschreibung empirisch erforscht,
etc. Zu den prominentesten Vertretern der politikwissenschaftlich
geprägten Transformationsforschung gehört einerseits die im Arbeitskreis
Systemwechsel der DVPW organisierte Wissenschaftlergruppe um Aurel
Croissant (Universität Heidelberg), Gero Erdmann (Institut für Afrika-Kunde),
Friedbert W. Rüb (Universität Hamburg), etc. Zum anderen ist Wolfgang
Merkel hervorzuheben, der heutzutage beim Wissenschaftszentrum Berlin
angesiedelt ist und zuvor ebenso wie Aurel Croissant und Petra Bendel
(heute Zentralinstitut für Regionalforschung, Universität Erlangen-Nürnberg)
an der Universität Heidelberg tätig war. Seit 2004 ist Merkel Mitglied
des Wissenschaftlichen Beirats beim BMZ.

Zu den greifbarsten Ergebnissen dieser Forschung zählen erstens
zwei von Bendel, Croissant und Rüb herausgegebene Bände zur Konzeption
und Empirie demokratischer Grauzonen (2002) sowie zum „Systemwechsel“
(2003), und zweitens die von Croissant, Merkel, Hans-Jürgen Puhle
(Universität Frankfurt) u.a. 2003 herausgegebenen Bände zu „Defekten
Demokratien“.
Während diese Forschung weitgehend abgeschlossen erscheint, hat
sich die Bertelsmann Stiftung in den vergangenen Jahren – z.T. unter
direkter Beteiligung der o.g. Vertreter der Transformationsforschung
– dem Wandel politischer Systeme von Autokratien zu Demokratien
angenommen. Die den Untersuchungen der Transformationsforschung
meist zugrunde liegende Folie eines Demokratiemodells westlicher
Prägung (liberale Demokratie) wurde im Rahmen eines aufwendigen
Rankings unter dem Titel „Bertelsmann Transformation Index“ offensiv
zu einem universellen Leitbild der „marktwirtschaftlichen Demokratie“
ausgebaut. Die Stiftung beschäftigt sich explizit mit Möglichkeiten
der Steuerung und Unterstützung von Entwicklungs- und Transformationsprozessen
hin zu Demokratie und Marktwirtschaft. Auf der praktischen Ebene
bietet sie Länder- und regionenspezifische Politikempfehlungen sowie
Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Akteure und Unterstützungsorganisationen
an.
Als Vertreterin der Demokratisierungs- und Konsolidierungsforschung
beschäftigt sich die HSFK mit der Entstehung demokratischer Herrschaftsordnungen
und geht – basierend auf ihrer Verankerung in der Friedensforschung
– der Frage nach, wie sich diese Demokratisierungsprozesse auf die
friedliche Austragung von Konflikten im Inneren auswirken.
Mehr noch als die Bertelsmann-Stiftung stellen die Wissenschaftler
am SIIS auf internationaler Ebene in den Vordergrund, dass die Transformation
von Regierungssystemen erforderlich ist, um weitreichende ökonomische
Reformen (und damit Wachstum und Entwicklung) realisieren zu können.
Besonderes Interesse gilt dabei der gestiegenen Zahl von Formaldemokratien,
die unter der Fassade pseudo-demokratischer Verfahren an der illiberalen
Praxis vorangegangener Diktaturen festhalten. Desweiteren untersucht
das Forschungszentrum vertieft die Dilemmata und Erfolgsbedingungen
externer Interventionen zur Förderung von Demokratisierungsprozessen.
Das UNRISD erschließt politische und institutionelle Faktoren, welche
die Herausbildung geeigneter Rahmenbedingungen zur Verwirklichung
von Demokratie bestimmen. Dabei wird der Frage der Menschenrechte
besonderes Augenmerk zuteil. Die Fallstudien des Institutes richten
sich zudem besonders auf das oftmals inkonsistente Vorgehen externer
Akteure. Die Institutionen der Governance-Forschung in Deutschland
überlappen stark mit jenen, die die Ursachen von Staatsversagen
und Staatsverfall qualitativ untersuchen.
Das Nation-Building-Projekt des INEF konzentrierte sich dabei insbesondere
auf die Etablierung funktionierender Staatsapparate und die Herausbildung
„nationaler" Identitäten im Inneren. Arbeiten am Institut für Afrika-Kunde
unterstreichen die vergleichsweise unvoreingenommene Herangehensweise
des Forschungszweiges. Auf der Grundlage breiter Regionalexpertise
wurde hier der Begriff der Gewaltoligopole entwickelt, die im Unterschied
zu manch einem staatlich verfassten Gewaltmonopol mitunter empirisch
nachweisbar als legitim angesehen werden. Problemtisiert wird die
Fragestellung anhand des Leitbildes der „Strukturellen Stabilität“.
Die Forschungsgruppe des ZEF beschäftigt sich vertieft mit den Fragestellungen
des Dreiecks Governance, gewaltförmige Konflikte und kollektive
Identitäten. Besonderes Gewicht liegt auf Untersuchungen entlang
eines Mehrebenenmodells von Governance, welches insbesondere auf
Bedingungen fragiler und kollabierter Staatlichkeit angewendet wird,
Wechselbeziehungen zwischen zentralstaatlichen und subnationalen
Governance-Ebenen untersucht, und informelle Institutionen einbezieht.
International steht v.a. das World Governance Assessment (Julius
Court, Goran Hyden, Kenneth Mease) heraus. Das Funktionieren von
Governance wird hier auf umfangreicher empirischer Grundlage (16
Fallstudien, die demnächst auf 50 ausgebaut werden sollen) im Spektrum
von teilweise konsolidierter bis hin zu rudimentärer/verfallender
Staatlichkeit erforscht. Es besticht v.a. durch sein innovatives,
einheitliches Forschungsdesign, in dem ein breiter Governance-Begriff
abgekoppelt von Staatlichkeit (und damit vom Ballast westlich geprägter
Normvorstellungen) entlang sechs institutioneller Arenen und sechs
universell gültiger Arenen operationalisiert wird. Besondere Aussagekraft
erhält es durch die sehr systematische Einbeziehung von Einschätzungen
lokaler stakeholder.
Ähnlich wird auch am Watson Institute spezielles Gewicht auf die
lokale Perzeption der Entwicklung politischer Partizipationsverfahren
(besonders in Nachkriegsgesellschaften) gelegt.

2.5.
Übersicht: Empirische Länder- und Regionalstudien
| Deutschland |
| Global |
Afrika / Naher Osten |
Asien |
|
Staatsbildung
und Staatszerfall in den Regionen der Dritten Welt/ Mikropolitik
bewaffneter Gruppen (Klaus Schlichte), Deutsches Übersee-Institut
(DÜI), Hamburg. / Humboldt-Universität,
Berlin.
States at Risk - Fragile Staaten als
Sicherheits- und Entwicklungsproblem (Ulrich Schneckener),
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin.
|
Governance
beyond the state: Donor policies in Africa's new social spaces;
Herrschaft jenseits des Staates: Staatsverfall, Extraversion
und externe Intervention in Westafrika (Ulf Engel), Institut
für Afrikanistik, Universität Leipzig.
Staatskonsolidierung und Staatszerfall
in Ost- und Zentralafrika (Rolf Hofmeier); Illegitime Gewaltmonopole
und legitime „Gewaltoligopole“ - Aspekte struktureller Instabilität
(Andreas Mehler, Westafrika); Neopatrimonialismus, hybride
Regime und Staatlichkeit in Afrika (Gero Erdmann), Institut
für Afrika-Kunde (IAK), Hamburg.
Perspektiven politischer Transformation
in Nordafrika, Nah- und Mittelost, Deutsches Orient-Institut
(DOI), Hamburg.
Staatsverfall als friedens- und entwicklungspolitische
Herausforderung (Horn von Afrika) (Conrad Schetter/Ulf Terlinden/Tobias
Debiel), INEF/ZEF.
Integration and Conflict (G. Schlee),
Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle.
|
Accounting
for State-building, Stability & Violent Conflict: The Institutional
Framework of Caucasian and Central Asian Transitional Societies
(Christoph Zürcher/Jan Koehler), Osteuropa-Institut, Freie
Universität Berlin.
Demokratie in Malaysia und Indonesien,
Institut für Asienkunde (IFA), Hamburg.
Integration and Conflict (G. Schlee),
Max Planck Institute for Social Anthropology, Halle.
Local Governance and State-Building
in Central Asia (Conrad Schetter/Bernd Kuzmits), Zentrum für
Entwicklungsforschung (ZEF), Bonn.
Staatsverfall als friedens- und entwicklungspolitische
Herausforderung (Afghanistan) (Conrad Schetter/Ulf Terlinden/Tobias
Debiel), INEF/ZEF.
|

| International |
| Global |
Afrika / Naher Osten |
Asien |
|
Crisis
States Programme (Dr. James Putzel), London School of Economics
and Political Science (LSE).
Democratic Transition in Post-Conflict
Societies (Jeroen de Zeeuw), Clingendael - Netherlands Institute
of International Relations, The Hague.
Post-Conflict Reconstruction Project,
Center for Strategic and International Studies (CSIS), Washington.
Democracy, Governance and Human Rights
Program (Thandika Mkandawire), United Nations Research Institute
for Social Development (UNRISD).
World Governance Assessment (Julius
Court, Goran Hyden, Kenneth Mease).
|
Program
on Intrastate Conflict and Conflict Resolution (Robert Rotberg),
Belfer Center for Science and International Affairs (BCSIA)
/ World Peace Foundation (WPF).
|
Afghanistan
Transition Project (Charles T. Call), Watson Institute, Providence.
|

|